Kurzatmigkeit, häufiges Seufzen oder eine dauerhaft offene Mundatmung wirken oft wie Nebensachen, können den Atemrhythmus aber spürbar beeinflussen. Die Buteyko-Atmung setzt deshalb auf leises Atmen durch die Nase, Entspannung und eine vorsichtige Reduzierung des Atemvolumens. Ich zeige, wie das Training praktisch funktioniert, was realistisch ist und wo die Methode ihre Grenzen hat.
Die wichtigsten Grundlagen für ein sinnvolles Atemtraining
- Nasenatmung und ruhiges Atmen bilden den Kern der Methode.
- 5 bis 10 Minuten tägliches Üben reichen für den Einstieg.
- Die Übungen sollen einen leichten Luftimpuls, aber keine starke Atemnot erzeugen.
- Bei Asthma kann das Training Beschwerden und Lebensqualität unterstützen, Medikamente jedoch nicht ersetzen.
- Schwindel, Brustschmerz oder starke Atemnot sind klare Gründe, die Übung sofort zu beenden.
Was hinter der Buteyko-Methode steckt
Die Methode wurde vom russischen Arzt Konstantin Buteyko entwickelt. Sein Ansatz richtet sich gegen ein Atemmuster, bei dem Menschen dauerhaft zu tief, zu schnell oder überwiegend durch den Mund atmen.
Im Mittelpunkt steht nicht möglichst viel Sauerstoff, sondern ein ruhiger, kleiner und möglichst geräuschloser Atem. Geatmet wird bevorzugt durch die Nase, während Schultern, Brustkorb und Gesicht entspannt bleiben. Das Ziel ist ein effizienterer Atemrhythmus im Alltag, nicht eine sportliche Höchstleistung.
Ich halte dabei eine Unterscheidung für wichtig. Die Methode kann helfen, ungünstige Atemgewohnheiten zu beobachten und zu verändern. Sie ist aber keine eigenständige Behandlung von Asthma, COPD, Schlafapnoe oder anderen Erkrankungen.
So läuft das Training praktisch ab
Die Grundposition
Setze dich aufrecht hin, stelle beide Füße auf den Boden und lasse den Kiefer locker. Atme einige Minuten ausschließlich durch die Nase und reduziere das Atemvolumen nur so weit, dass ein leichtes Bedürfnis nach mehr Luft entsteht.
Dieses Gefühl darf mild bleiben. Starkes Luftschnappen, Pressen oder sichtbare Anspannung widersprechen dem eigentlichen Zweck der Übung. Genau hier übertreiben Anfänger oft, weil sie die Methode mit bewusstem Luftanhalten verwechseln.
Eine einfache Übung für den Einstieg
- Atme zwei bis drei Minuten ruhig durch die Nase.
- Verkleinere Ein- und Ausatmung vorsichtig, ohne den Atem zu blockieren.
- Halte die Schultern entspannt und lasse den Bauch weich.
- Atme nach etwa drei bis fünf Minuten wieder ganz natürlich.
- Beende die Einheit, sobald Schwindel, Druckgefühl oder deutliche Atemnot auftreten.
Für den Anfang genügen 5 bis 10 Minuten ein- bis zweimal täglich. Nach einigen Tagen kann eine Einheit auf 15 Minuten verlängert werden, sofern sie sich ruhig und kontrolliert anfühlt. Regelmäßigkeit bringt hier meist mehr als besonders lange Sitzungen.
Kurze Atempausen werden in vielen Kursen ebenfalls verwendet. Ich würde sie nur sehr vorsichtig einsetzen und nicht als Wettbewerb betrachten. Eine sogenannte Kontrollpause kann den eigenen Fortschritt dokumentieren, ist aber kein medizinischer Test und erlaubt keine Aussage über Lungenfunktion oder Krankheitsrisiko.

Welche Effekte realistisch sind
Bei Erwachsenen mit Asthma können Atemübungen, zu denen auch Buteyko-Programme zählen, Symptome und Lebensqualität leicht bis moderat verbessern. Die bisherige Forschung zeigt dagegen keinen verlässlich großen Effekt auf Lungenfunktion oder Entzündung der Atemwege.
Für den Alltag kann die Methode trotzdem interessant sein. Wer in Stresssituationen schnell und flach atmet, bemerkt möglicherweise früher, wann sich der Atem verselbstständigt. Ruhige Nasenatmung kann dann helfen, wieder einen gleichmäßigeren Rhythmus zu finden.
Auch beim Sport lässt sich der Ansatz nutzen, allerdings mit Augenmaß. Bei lockeren Spaziergängen oder langsamer Bewegung kann die Nasenatmung ein sinnvolles Wahrnehmungstraining sein. Während intensiver Belastung ist es dagegen normal, zeitweise deutlich mehr zu atmen oder durch den Mund einzuatmen.
Besonders wichtig ist die Erwartungshaltung. Die Methode kann ein Training für Atemverhalten und Körperwahrnehmung sein, aber sie beseitigt keine Allergie, öffnet verengte Bronchien nicht zuverlässig und ersetzt bei Asthma kein Notfallspray.
Die häufigsten Fehler beim Üben
Zu starkes Luftanhalten
Lange Atempausen wirken auf manche Menschen beeindruckend, sind aber nicht automatisch sinnvoll. Wer danach hektisch einatmet oder mehrfach seufzt, hat die Belastung zu hoch gewählt. Besser ist eine kurze Pause mit ruhiger Rückkehr zur Nasenatmung.
Bewusst tief in den Bauch atmen
Eine entspannte Zwerchfellbewegung ist hilfreich, aber große, tiefe Atemzüge passen nicht zum Grundgedanken der Methode. Ich empfehle, nicht den Bauch aktiv herauszudrücken, sondern zuerst die unnötige Spannung im Brustkorb und in den Schultern zu lösen.
Die Nase mit Gewalt freihalten
Bei einer akuten Erkältung, starken Schleimhautschwellung oder strukturellen Problemen kann Nasenatmung schwierig sein. Dann sollte niemand die Übung erzwingen. Eine ärztliche Abklärung der Nasenatmung ist sinnvoller als ständiges Kämpfen gegen eine blockierte Nase.
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Medikamente eigenmächtig reduzieren
Das ist der wichtigste Sicherheitsfehler. Auch wenn sich die Atmung subjektiv verbessert, dürfen Asthmamedikamente nur gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt verändert werden.
So lässt sich das Training in den Alltag einbauen
Die Übungen wirken am besten, wenn sie nicht als Sonderprojekt neben dem Leben stehen. Ich würde mit einer festen Einheit nach dem Aufstehen oder vor dem Schlafengehen beginnen und zusätzlich kurze Momente im Alltag nutzen.
| Situation | Praktischer Ansatz | Worauf du achten solltest |
|---|---|---|
| Am Schreibtisch | 2 bis 3 Minuten leise durch die Nase atmen | Schultern und Kiefer locker lassen |
| Beim Spaziergang | Langsames Tempo mit Nasenatmung testen | Bei deutlicher Atemnot Tempo reduzieren |
| Vor dem Schlafen | 5 bis 10 Minuten ruhiges Atemtraining | Keine langen Atempausen erzwingen |
| In einer Stresssituation | Ausatmung sanft verlängern und Atemvolumen verkleinern | Nicht gegen Panik oder starke Atemnot ankämpfen |
Ein kleines Protokoll kann helfen. Notiere für zwei bis vier Wochen, wie oft du geübt hast, wie sich deine Nasenatmung anfühlte und ob sich Schlaf, Stress oder Atembeschwerden verändert haben. So verlässt du dich nicht nur auf den Eindruck eines einzelnen guten oder schlechten Tages.
Für wen die Methode geeignet ist und wann Vorsicht gilt
Gesunde Erwachsene können mit sehr sanften Übungen beginnen. Auch Menschen mit asthmatischen Beschwerden interessieren sich häufig für Atemtraining, sollten es aber am besten mit einer medizinisch geschulten Atemtherapie oder Physiotherapie kombinieren.
Bei diagnostiziertem Asthma gilt eine einfache Regel: Der persönliche Behandlungsplan bleibt maßgeblich. Treten pfeifende Atmung, zunehmende Enge im Brustkorb oder eine Verschlechterung der Belastbarkeit auf, sollte die Übung beendet und der ärztliche Plan befolgt werden.
Bei akuter starker Atemnot, bläulichen Lippen, Verwirrtheit, Brustschmerzen oder fehlender Wirkung des verordneten Notfallmedikaments ist sofort medizinische Hilfe erforderlich. Atemübungen sind für solche Situationen nicht gedacht.
Auch in Schwangerschaft, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder ausgeprägter Angst vor Luftnot ist eine individuelle Anleitung sinnvoll. Der richtige Einstieg hängt dann stärker von der persönlichen Vorgeschichte ab als von einem allgemeinen Übungsplan.
Was von der Methode am Ende wirklich bleibt
Der größte praktische Nutzen liegt meiner Einschätzung nach nicht in spektakulären Atempausen, sondern in der Fähigkeit, unnötig große und hektische Atemzüge früh zu erkennen. Wer regelmäßig ruhig durch die Nase atmet, kann sein Atemverhalten im Alltag bewusster steuern.
Beginne klein, übe ohne Druck und bewerte nicht jede Sitzung nach einem sofortigen Effekt. Als ergänzendes Training kann die Buteyko-Methode sinnvoll sein, solange sie medizinische Behandlung unterstützt, realistische Erwartungen weckt und niemals die Sicherheit zugunsten einer möglichst langen Atempausenzeit aufs Spiel setzt.