Ein stechender Schmerz tief im Gesäß, ein Ziehen beim Sitzen oder Beschwerden, die bis in den Oberschenkel ausstrahlen, können mit einem gereizten Piriformis zusammenhängen. Ich zeige dir, wie du den kleinen Hüftmuskel gezielt dehnst, welche Übungen sich im Training sinnvoll ergänzen und wann Dehnen allein nicht die richtige Lösung ist.
Die wichtigsten Schritte für eine wirksame Piriformis-Dehnung
- Sanft beginnen und jede Position etwa 20 bis 30 Sekunden halten.
- Die Dehnung sollte im Gesäß spürbar sein, aber kein Kribbeln oder Brennen im Bein auslösen.
- Besonders praktisch sind die Vierer-Dehnung in Rückenlage und die Dehnung zum gegenüberliegenden Schulterbereich.
- Für nachhaltige Fortschritte die Beweglichkeit mit Kräftigungsübungen für Gesäß und Hüfte verbinden.
- Bei zunehmender Taubheit, Muskelschwäche oder Problemen mit Blase und Darm sofort medizinische Hilfe suchen.
Warum der Piriformis Beschwerden im Gesäß auslösen kann
Der Piriformis liegt tief unter dem großen Gesäßmuskel und verbindet das Kreuzbein mit dem oberen Ende des Oberschenkelknochens. Er unterstützt die Außenrotation der Hüfte und hilft, das Becken beim Gehen, Laufen und Einbeinstand zu stabilisieren.
In seiner Nähe verläuft der Ischiasnerv. Bei manchen Menschen zieht der Nerv unter dem Muskel hindurch, bei anderen teilweise durch ihn. Ist der Bereich gereizt oder dauerhaft angespannt, können deshalb Gesäßschmerzen, ein Ziehen im Oberschenkel oder Missempfindungen entstehen.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der Piriformis die Ursache ist. Auch die Lendenwirbelsäule, das Hüftgelenk oder andere Muskeln können ähnliche Beschwerden verursachen. Ich sehe die Dehnung deshalb als vorsichtigen Test und als Trainingsbaustein, nicht als sichere Selbstdiagnose.
Diese Dehnübungen bringen die Hüfte wieder in Bewegung
Am besten dehnst du dich nach einigen Minuten leichter Bewegung. Ein kurzer Spaziergang oder fünf Minuten lockeres Radfahren reichen meist aus. Ein kalter, unbeweglicher Muskel lässt sich schlechter kontrollieren als ein bereits leicht erwärmter.
Vierer-Dehnung in Rückenlage
- Lege dich auf den Rücken und stelle beide Füße auf.
- Lege den rechten Knöchel auf den linken Oberschenkel, sodass die Beine eine Vier bilden.
- Greife hinter den linken Oberschenkel und ziehe das Bein langsam zu dir.
- Halte die Position 20 bis 30 Sekunden und wechsle anschließend die Seite.
Du solltest die Dehnung vor allem im rechten Gesäß spüren. Das Becken bleibt möglichst ruhig am Boden. Häufig wird zu stark gezogen und dadurch der untere Rücken rund gemacht. Weniger Zug liefert hier meist die bessere Position.
Knie zur gegenüberliegenden Schulter
- Bleibe in Rückenlage und strecke beide Beine aus.
- Ziehe ein Knie in Richtung Brust.
- Führe es mit der gegenüberliegenden Hand leicht zur anderen Schulter.
- Halte die Position für 20 bis 30 Sekunden, ohne das Knie ruckartig zu bewegen.
Diese Variante ist etwas direkter und kann bei einer eingeschränkten Hüftbeweglichkeit angenehmer sein als die Viererposition. Der Zug darf deutlich, aber kontrollierbar sein. Elektrisches Kribbeln oder ein Ausstrahlen bis in den Fuß ist kein gutes Dehnungssignal.
Sitzende Vierer-Dehnung
- Setze dich aufrecht auf einen stabilen Stuhl.
- Lege einen Knöchel auf das gegenüberliegende Knie.
- Halte den Rücken lang und neige den Oberkörper leicht nach vorne.
- Bleibe 20 bis 30 Sekunden in der Position und atme ruhig weiter.
Diese Übung passt gut in den Büroalltag. Sie ersetzt jedoch nicht jede Stunde Bewegung. Ich empfehle, zusätzlich regelmäßig aufzustehen, ein paar Schritte zu gehen und die Sitzposition zu wechseln. Langes Sitzen mit übereinandergeschlagenen Beinen kann die Beschwerden sonst immer wieder provozieren.
Führe pro Seite zwei bis drei Wiederholungen aus. Eine leichte Spannung ist erwünscht, Schmerzen solltest du nicht wegdehnen. Nach der Übung sollte sich der Bereich höchstens kurz empfindlich, aber nicht deutlich gereizter anfühlen.

Dehnen allein reicht beim Training oft nicht aus
Ein entspannter Piriformis hilft wenig, wenn die umgebenden Muskeln ihre Aufgabe nicht übernehmen. Deshalb kombiniere ich die Beweglichkeitsarbeit mit Übungen für Gesäß, seitliche Hüftmuskulatur und Rumpf. So muss der Piriformis bei jeder Bewegung weniger kompensieren.
| Übung | Umfang | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Brücke | 2 bis 3 Sätze mit 8 bis 12 Wiederholungen | Becken kontrolliert heben, nicht ins Hohlkreuz ausweichen |
| Seitliches Beinheben | 2 Sätze mit 8 bis 12 Wiederholungen je Seite | Fuß neutral halten und die Bewegung langsam ausführen |
| Clamshell | 2 bis 3 Sätze mit 8 bis 12 Wiederholungen | Fersen zusammenlassen und das Becken nicht nach hinten drehen |
| Kleine Kniebeuge | 2 Sätze mit 8 bis 10 Wiederholungen | Knie und Fuß in einer kontrollierten Linie halten |
Brücke für Gesäß und Beckenstabilität
Lege dich auf den Rücken, stelle die Füße hüftbreit auf und spanne Bauch sowie Gesäß leicht an. Hebe das Becken langsam, halte oben kurz und senke es kontrolliert ab. Entscheidend ist nicht die Höhe, sondern eine ruhige, schmerzfreie Bewegung.
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Clamshell für die seitliche Hüfte
Lege dich auf die Seite und beuge die Knie. Halte die Füße zusammen und öffne das obere Knie, ohne das Becken nach hinten kippen zu lassen. Diese Übung wirkt unspektakulär, ist aber eine gute Möglichkeit, die seitliche Hüftmuskulatur ohne große Belastung anzusteuern.
Für den Einstieg reicht ein kurzes Programm aus einer Dehnung und zwei Kräftigungsübungen. Trainiere es zwei- bis viermal pro Woche. Bei guter Verträglichkeit kannst du später ein leichtes Widerstandsband verwenden.
Die häufigsten Fehler bei der Dehnung
Der größte Fehler ist, Intensität mit Wirksamkeit zu verwechseln. Viele ziehen das Bein so stark heran, dass der Rücken ausweicht oder der Ischiasnerv gereizt wird. Eine gute Dehnung fühlt sich eher wie ein gleichmäßiger Zug im Gesäß an und nicht wie ein scharfer Schmerz.
- Kein Wippen: Halte die Position ruhig und atme normal.
- Kein Rundrücken: Besonders in der sitzenden Variante bleibt die Wirbelsäule möglichst lang.
- Nicht in den Schmerz hinein: Wenn die Beschwerden während der Übung deutlich zunehmen, brich ab.
- Keine aggressive Massage: Ein Ball oder eine Faszienrolle kann angenehm sein, sollte aber nicht direkt auf einen ausstrahlenden Nervenschmerz gedrückt werden.
- Nicht nur eine Seite bearbeiten: Auch wenn eine Seite stärker schmerzt, sollten beide Seiten kontrolliert bewegt werden.
Wenn eine Übung die Symptome kurzfristig verstärkt, reduziere zuerst den Bewegungsumfang und die Haltezeit. Bleibt die Reaktion bestehen, lasse diese Variante weg. Das Ziel ist nicht, eine bestimmte Übung um jeden Preis zu schaffen, sondern die Belastbarkeit Schritt für Schritt zu verbessern.
Wann eine Untersuchung sinnvoll ist
Gesäßschmerzen mit Ausstrahlung können einem Piriformis-Problem ähneln, aber auch von einem Bandscheibenvorfall oder einer Reizung der Nervenwurzeln kommen. Eine medizinische Abklärung ist sinnvoll, wenn die Beschwerden über mehrere Wochen anhalten, immer wieder zurückkehren oder sich trotz angepasstem Training verschlimmern.
Besonders wichtig ist eine rasche Abklärung bei zunehmender Taubheit, deutlicher Muskelschwäche, Problemen beim Auftreten oder nach einem Unfall. Störungen der Blasen- oder Darmkontrolle sowie Taubheit im Schritt sind Notfallzeichen und gehören sofort medizinisch beurteilt.
Eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut kann prüfen, ob tatsächlich die Hüftaußenrotatoren beteiligt sind und welche Bewegungen die Beschwerden auslösen. Das ist oft hilfreicher, als wochenlang dieselbe Standarddehnung zu wiederholen.
Ein alltagstauglicher Plan für die nächsten zwei Wochen
Starte an vier Tagen pro Woche mit fünf Minuten lockerem Gehen. Danach führst du die Vierer-Dehnung und die Knie-zur-Schulter-Variante mit jeweils zwei Durchgängen pro Seite aus. Ergänze anschließend zwei Sätze Brücken und Clamshells.
Beobachte nicht nur den Schmerz während der Übung, sondern auch die Reaktion am selben Abend und am nächsten Morgen. Wird die Beweglichkeit besser und bleibt die Reizung gleich oder nimmt ab, kannst du den Umfang langsam steigern. Verschlechtert sich das Bein deutlich, brauchst du eine individuelle Untersuchung statt noch mehr Dehnung.
Für mich ist die wichtigste Regel einfach: sanft mobilisieren, gezielt kräftigen und Warnsignale ernst nehmen. Eine regelmäßige, gut dosierte Routine bringt meist mehr als eine besonders intensive Dehnung, die den Bereich jedes Mal aufs Neue reizt.